Siechenhäuschen

Ehrang-Quint, Stadt Trier Servaisstraße
Beschreibung
Dann umschreibt das Ehranger Weistum von 1592 allerdings einen bedeutenden Landstrich rechts der Kyll als Ehranger Gemarkungsteil: "die halbe Mosel aus (= aufwärts) bis oben an einen Graben, dort auf dem Staden, den Graben hinaus bis unten an Pfalzeler Kreuz, da steht eine Marke neben der Straße (gemeint ist das Kreuz beim Heiligenhäuschen an der Landstraße Ehrang-Pfalzel), von der Marke an bis unter Hoz-Bäume, da steht eine Marke an der trierischen Straße, die Straße hinein, da steht eine Marke vor dem Siechenhaus, von der Marke bis an die Brücke.

1569: biß an das siech heusgen, 1592: hinder dem Siech Haus, 1657: "das Siechhäußgen, das hierauß Eheringer brücken stehet, 1666: "hinder dem Siechhäusgen. Lage: an der Kyllbrücke, Flur Guthäuschen (vgl. Nr. 81), das eine Charakterisierung dieser Zufluchtsstätte war.

[Werner Schuhn: Ehrang. Landschaft, Geschichte, Gegenwart]


[...] Die Lepra, heute zwar weitgehend heilbar, aber noch nicht ausgerottet, kam wahrscheinlich bereits in römischer Zeit aus dem Orient nach Europa, dann vermehrt mit den Kreuzfahrern, die zuvor jahrelang an der Levante gelebt hatten und sich dort angesteckt hatten.

Entstanden waren die Leprastationen aus der einfachen Feldsieche, das heißt der Kranke wurde aus der Gemeinschaft ausgegrenzt und baute sich auf freiem Feld eine Hütte, die nach seinem Ableben verbrannt wurde. Entsprechende daran sich anschließende barmherzige Stiftungen von Orden, die sich der christlichen Krankenpflege verschrieben hatten, konnten der Grundstock für Orte werden, wie zum Beispiel Velden bei Düren, dessen Name auch heute noch an eine solche Stiftung erinnert.

Als sich die Lepra seit dem 13. Jahrhundert weiterverbreitete, entwickelten sich in der gefestigten Stadt- und Territorialstruktur die 'Siechenhäuser', die in dieser Form wohl von den Kreuzfahrern aus Byzanz nach Mitteleuropa gebracht worden waren. Im Rheinland ist das erste Leprosorium in den Jahren 1180 - 1189 für Köln nachweisbar. Diese Art der Einrichtung wurde gefördert durch die Bestimmungen des dritten Laterankonzils von 1179, das die Absonderung der Kranken von den Gesunden forderte (,Aussatz') und den Siechen das Recht auf eine Kapelle mit Friedhof und einen eigenen Priester zusprach. Daraus entwickelte sich ein Terrain mit eigenem Ackerboden und eigenen Wirtschaftsräumen.

Mangelnde Hygiene, mangelhafte medizinische Kenntnisse und das Zurückführen jeglicher Krankheit auf eine Strafe Gottes verstellten dem mittelalterlichen Menschen den Blick auf eine schnell wirksame Abwehr gegen diese Seuche. In Verbindung mit religiösen Gedanken und einer Aussonderungspolitik gelang es jedoch, der Seuche Einhalt zu gebieten. Darin erschöpfte sich die Reaktion des mittelalterlichen Menschen - die Heilung war die Sache Gottes. Im Gegensatz zur Pest, die sich epidemisch verbreitete, gehörte die Lepra durch ihre bis zu Jahrzehnten dauernde Inkubationszeit und die lange Krankheitsphase zu einer der Geißeln der Menschheit, mit deren Opfern man zwar leben, auf die man aber auch reagieren mußte. Der christliche Gedanke der caritas, die pflegende Bemühung um den Kranken, in dem man Christus sah, bestimmte den Umgang mit den von dieser Krankheit Befallenen. Almosen und Unterstützung waren gottgefällig. Die Kirche förderte diese Krankenpflege zum Beispiel durch die Gewährung von Ablässen, wie sie 1230 für Aachen überliefert sind.

Zur Diagnose wurden die Kranken v. a. nach Köln geschickt, von Aachen aus auch nach Lüttich, zu dessen Diözese Aachen gehörte. Die Feststellung der Krankheitssymptome scheint recht genau gewesen zu sein. In Zweifelsfällen konnte der Betroffene auch zur Nachuntersuchung bestellt werden. Wurde jedoch Lepra diagnostiziert, wurde der Kranke förmlich ausgesegnet bis hin zu seiner Teilnahme an der eigenen Totenmesse. Er verlor seine Rechtsfähigkeit und alle Rechte und Pflichten, die seine Teilnahme an der menschlichen Gemeinschaft ausmachten. Für die Gesunden galt er als tot. Im Laufe der Zeit, v. a. seit im 16. Jahrhundert die Lepra zurückging, versuchten jedoch auch immer wieder Gesunde aus Gründen der Bequemlichkeit oder der ,Altersversorgung' in die teilweise sehr gut versorgten Leprahäuser zu gelangen.

[...]

[Brigitte Beyer: Leprosenstätten am linken Niederrhein. In: Archäologie im Rheinland 1988. Landschaftsverband Rheinland. Rheinisches amt für Bodendenkmalpflege.]

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Krankenhäuser /
Zeit:
1569
Epoche:
Renaissance

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.685496
lat: 49.806661
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Im Guthäusgen

Internet
http://www.ehrang.de/

Datenquellen
Werner Schuhn: Ehrang. Landschaft, Geschichte, Gegenwart. 2 Bände. Trier 1989. Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft für Landesgeschichte und Volkskunde des Trierer Raumes und Brigitte Beyer: Leprosenstätten am linken Niederrhein.

Bildquellen
Bild 1: Werner Schuhn: Ehrang. Landschaft, Geschichte, Gegenwart.
Bild 2: © Peter Valerius, Kordel, 2011.

Stand
Letzte Bearbeitung: 01.07.2011
Interne ID: 11648
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