Pauliner Säulenkreuz

Trier-Nord, Stadt Trier Balthasar-Neumann-Straße
Beschreibung
Das Pauliner Säulenkreuz und seine unterschiedlichen Deutungen

Eine der Hauptattraktionen in Trier ist die Basilika Sankt Paulin und ihr geschichtsträchtiger Vorplatz. Dessen Wahrzeichen ist das alte Steinkreuz

Wenn man im Zusammenhang mit den Überlegungen zur Neuordnung des Paulinplatzes etwas über dieses Monument erfahren will, bietet sich der aufschlussreiche Aufsatz von Dr. Sigrid Theisen im Kurtrierischen Jahrbuch von 1965 an. Die Verfasserin beruft sich darin auf die Untersuchungsergebnisse namhafter Historiker und Kunsthistoriker.

In einer von ihr angeführten Beschreibung des Säulenkreuzes heißt es kurz und prägnant: Das Kreuz vor der Basilika des heiligen Paulinus in Trier ist ein Hochkreuz unter freiem Himmel, aufgebaut aus Stufensockel, Säulenbasis, Schaft, Pinienzapfen und aufgesetztem Kreuz.

Ein jedes dieser Elemente - so stellt sie fest - hat seine besondere Bedeutung. Doch die Bedeutsamkeit des Kreuzes selbst ist ebenfalls in des Wortes ursprünglichem Sinn vielfältig. Die einen sehen in ihm ein Märtyrerkreuz, die anderen ein Marktkreuz, Gerichtskreuz oder ein Immunitätszeichen. Mit letzter Gewissheit lassen sich diese vier Interpretationen des Kreuzes nicht klären. Doch sind einer jeden dieser Auslegungen Erklärungen hinzuzufügen.

Viel spricht für die bis heute vorherrschende Deutung eines Märtyrerkreuzes, das gleichzeitig die Bedeutung eines sprechenden Denkmals hätte, wenn man das Monument symbolhaft als einen übertragenen mächtigen Thyrsusstab ansieht - im Gedenken an den ägyptischen Feldherrn, der im Mittelpunkt der Trierer Märtyrerverehrung steht.

Dass die Vorstellung von einem Märtyrerkreuz nie verloren ging, zeigt die barocke Ausmalung des Langschiffes der Paulinkirche. Hier ist das Kreuz eindeutig als ein Märtyrerkreuz dargestellt, was die berühmten vier Gerichtssteine mit ihren Blutrillen an seiner Seite klarmachen.

Gleichbedeutend dem Märtyrerkreuz ist die Lebensbaumsymbolik, auf die der Pinienzapfen als Kapitell schließen lässt, ein antikes Heilssymbol, ein Symbol der Hoffnung auf Auferstehung, dem Grabkreuz ähnlich.

Noch in der Entstehungszeit des Kreuzes von Paulin, im 11. Jahrhundert, müssen auf dem Gräberfeld römische Grabstätten gefunden worden sein, so auch der Pinienzapfen als Grab-Bekrönung, als Hoffnungszeichen auf ein Leben im Jenseits.

Die Basisstufen geben dem Säulenkreuz den Sinngehalt eines Hoheitszeichens und waren immer auch mit dem Weltmittelpunktgedanken verbunden. Für die Deutung eines Marktkreuzes spricht unter anderem . . dass es - wie das in der Achse des Domes stehende Marktkreuz auf dem Trierer Hauptmarkt - gleichfalls exakt in der verlängerten Kirchenachse steht - zirka 60 Meter vor dem Portal der Paulinskirche. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts soll auf dem Platz vor der Kirche noch der Markt für Fassdauben abgehalten worden sein. Als Markt-, Gerichts- oder Immunitätszeichen ist jedenfalls das Hochkreuz als ein weltliches Rechtsmal mit bestimmten öffentlichen Funktionen anzusehen. [1]

Einordnung
Kategorie:
Geschichte / Rechtsdenkmale /
Zeit:
11. Jahrhundert
Epoche:
Frühmittelalter / Romanik

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.651211
lat: 49.763087
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://de.wikipedia.org/wiki/Trier-Nord

Datenquellen
[1] Trierischer Volksfreund, 16.02.2002

Bildquellen
Bild 1: © Peter Valerius, Kordel, 2009.
Bild 2: © Peter Valerius, Kordel, 2009.
Bild 3: © Peter Valerius, Kordel, 2009.
Bild 4: © Peter Valerius, Kordel, 2009.

Stand
Letzte Bearbeitung: 29.06.2020
Interne ID: 4160
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