Familiengrab Recking

Hauptfriedhof Trier
Trier-Nord, Stadt Trier Herzogenbuscherstraße 8

Beschreibung
Die Form des Sarkophages als Grabmonument zeigt allein die Grabstätte der Familie Recking an der südwestlichen Außenmauer, das anlässlich des Todes des Trierer Maires und späteren Oberbürgermeisters Anton Joseph Recking 1817 errichtet wurde. Auf dem Deckel lagert die von Fürsten- und Bischofsgräbern bekannte Figur des Chronos mit Stundenglas und Sense, auch sie das einzige Beispiel auf dem Trierer Hauptfriedhof. [1]

Die Familie Recking stammt aus dem luxemburgischen Feltz, Fels, Veltz. Der erste in Trier war Bernhard Recking, geboren um 1630, der 1659 in Trier Sankt Laurentius Catharina Sack aus Trier heiratete. Er war Kaufmann, Krämermeister und Ratsherr der Stadt Trier. Der Sohn Johann Matthias, geboren 1687, heiratete 1710 in Sankt Gangolf Maria Elisabeth Scherner aus Trier. Auch er war Kaufmann und Zunftmeister der Kaufleute. Der Sohn Johann Nikolaus, geboren 1710 in Sankt Gangolf Trier heiratete 1737 in Trier St. Laurentius die Catharina Boudson aus Trier Er war Zunftmeister der Bäcker und Ratsherr. [2]

Das älteste Kind aus der Ehe war Anton Joseph, geboren am 23.1.1744 in Trier Sankt Laurentius in einer Zeit großer politischer Spannungen und Umbrüche. Als Mitglied der Oberschicht war er politisch engagiert und wurde 1770 zum Zunftmeister der Schmiede und Schlosser gewählt und war in dieser Funktion bis 1794 Mitglied des Stadtrates. Er heiratete 1771 die Maria Katharina Döll, Diell aus Cochem. Er wohnte 1785 mit ihr in der Brotgasse 263 (heute: Brotstraße 24), direkt neben dem Hof der Abtei Sankt Matthias in der Hosenstraße. 1792 wurde er von Goethe aufgesucht, der sich bei ihm "Geld verschaffte". Vor der Eroberung der Stadt durch die Franzosen verließ Recking 1794 die Stadt, kehrte aber 1795 wieder zurück. Er wurde von den Franzosen verhaftet und nach Freilassung wurde er Mitglied der Verwaltung des Arrondissements Trier. Die Recking’s blieben eine begüterte Familie. So konnte er am 20.11.1795 der Abtei Sankt Matthias 15000 Reichstaler gegen Wiesen, Weiher usw. als Bürgschaft leihen, damit diese ihre Kontribution bezahlen konnte. Am 25.11.1800 wurde er von Napoleon zum Bürgermeister (Maire) von Trier ernannt. Nach dem Frieden von Lunéville gehörte das Trierer Land auch völkerrechtlich zu Frankreich.

Um die Trennung von Kirche und Staat auch bei uns zu verwirklichen, verstaatlichte Napoleon alle Klöster und Stifte (Säkularisation) verkaufte die Gebäude oder ließ sie – besonders die Kirchen – abreißen. Das Los sollte auch die Liebfrauenkirche treffen, die ja Kirche der Domherren war und keine Pfarrkirche. Als Napoleon 1903 Trier besuchte – er wohnte im Palais Kesselstadt in der Liebfrauenstraße – führte ihn Recking auf den Balkon, zeigte ihm die Liebfrauenkirche auf der anderen Straßenseite und soll zu ihm gesagt haben: "Sire, sie wollen doch wohl nicht das Meisterwerk eines französischen Architekten abreißen". Er hatte damit Erfolg, stattdessen wurde die Pfarrkirche Sankt Laurentius an der Basilika abgerissen. Napoleon belohnte seine Dienste um die Stadt am 26.10.1804 durch die Verleihung des Ordens der Ehrenlegion.

1810 wurden per Dekret die Sechsbatzenstücke (silberne Scheidemünze im Wert von 6 x 4 Kreuzer oder 0.4 Gulden, heute etwa 8 €) abgewertet. Weil Recking sich diesem widersetzte wurde er als Bürgermeister entlassen. 1814 wurde die Stadt durch preußische Truppen befreit. Recking wurde von den neuen Machthabern zum ersten Oberbürgermeister ernannt. Er blieb es bis zu seinem Tode am 27.10.1817. Er wurde auf dem Hauptfriedhof, den er in seiner Amtszeit angelegt hatte, im Familiengrab beigesetzt. [2]

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Grabstätten
Zeit:
1817
Epoche:
Klassizismus

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.653154
lat: 49.766434
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet


Datenquellen
[1] Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 17.2 Stadt Trier – Stadterweiterung und Stadtteile. Wernersche Verlagsgesellschaft mbH, Worms. ISBN 978-3-88462-275-9 (1. Auflage 2009).

Bildquellen
Bild 1: © Jürgen Bier, Trier, 2021.
Bild 2: Stadtbibliothek Trier. Signatur: Trierer Porträts 141

Stand
Letzte Bearbeitung: 08.12.2021
Interne ID: 44029
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=44029
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