Ehemalige Synagoge in Zeltingen

Zeltingen, Gemeinde Zeltingen-Rachtig Fährstraße 22
Beschreibung
Die erste Synagoge (von Zeltingen-Rachtig - Red.) stand in Zeltingen. Sie war die Partikularsynagoge für die Juden aus Rachtig, Ürzig und Lösnich. Wann sie erbaut wurde ist nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Ihre erste Nennung stammt aus dem Jahre 1821: Da in der Synagoge zu Zeltingen während des Gottesdienstes große Unordnung herrschte und die Juden die Steueren, mit denen die Synagoge unterhalten wurde, nicht entrichten wollten, bat das Konsistorium in Trier den Bürgermeister, dem kommissarischen Aufseher Abraham Wendel aus Rachtig bei der Ausführung seiner Pflichten behilflich zu sein.

1836 versuchten die Juden von Rachtig, Ürzig und Lösnich, sich von der Partikularsynagoge in Zeltingen zu trennen. Zu diesem in jener Zeit häufiger unternommenen Versuch heißt es: Die Juden zahlreicher Gemeinden, die nicht am Ort der Synagoge lebten, versuchten, an ihren Wohnsitzen Betsäle einzurichten, um nicht am Sabbat den oft beschwerlichen Weg zur Synagoge machen zu müssen, zumal ihr Glaube nur in der größten Not das Zurücklegen so großer Entfernungen an Feiertagen erlaubte. Die Kinder müßten bei jedem Wetter den Weg zur Schule gehen, und Frauen wie Kinder könnten aus diesem Grunde zu Winterszeiten am Gottesdienst nicht teilnehmen, zumal dieser schon früh am Morgen beginne. Immer wieder wurde betont, daß die Synagogen viel zu klein wären, um alle Juden aufnehmen zu können.

Dieses Bestreben verstärkte sich noch nach dem Brand der Synagoge zu Zeltingen im Jahre 1837 um nicht zu deren Wiederaufbau herangezogen zu werden. Die Synagoge scheint aber weiter benutzt worden zu sein, war jedoch in einem sehr schlechten Zustand, wie ein Zeitungsbericht über die Einweihung der neuen Thorarollen schilderte: Der Oberrabbiner leget der Gemeinde die Nothwengkeit der baldigen Anstellung eines gebildeten Religionslehrers dringend ans Herz, wie auch nach Kräften für eine bessere Einrichtung des Synagogen-Lokals zu sorgen, welches, wie Referent, ein Katholik, sich überzeugt, eher einem gemeinen Schlupfwinkel, denn einem Betsaale ähnlich sieht. Die Synagoge wurde dann wieder aufgebaut, beziehungsweise neu gebaut. Am 19.8.1853 erfolgte ihre Einweihung. Im selben Jahr vollzog sich die Trennung der Partikulargemeinden in eigene Synagogengemeinden.

Ab 1920 fanden für die beiden Gemeinden Zeltingen und Rachtig wegen der Abnahme der jüdischen Gemeindemitglieder (die Weltwirtschaftskrise traf die Moselregion besonders hart und führt u.a. zu einer starken
Abwanderung der jüdischen Bevölkerung) wieder zusammen und feierten den Gottesdienst abwechselnd in Zeltingen und Rachtig. 1937 wurden die letzten jüdischen Bürger von Zeltingen-Rachtig in die Synagogengemeinde Neumagen aufgenommen.

1939 verließen die letzten Juden Zeltingen-Rachtig.

Die Synagoge wurde am 9. November 1938 verwüstet. Sie diente nach dem Krieg als Langerschuppen und musste schließlich einem Wohnhaus weichen.

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Synagogen
Zeit:
1821
Epoche:
Klassizismus

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 7.016197
lat: 49.953309
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.zeltingen-rachtig.de/

Datenquellen
- Hubert Gessinger: Die Juden von Zeltingen-Rachtig; 1984
- Norbert Kappes, 2010.

Bildquellen
Bild 1: © Hubert Gessinger; Die Juden von Zeltingen-Rachtig; 1984

Stand
Letzte Bearbeitung: 13.07.2010
Interne ID: 4762
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=4762
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