Schwarzer Punkt - Ehemalige Hochwassermarke

Kordel, Gemeinde Kordel Kreuzfeld 1

Beschreibung
An der Eisenbahnbrücke über der Mündung des Altbachs in die Kyll, befand sich zum Kreuzfeld hin eine schwarze Markierung, die als Hochwassermarke diente. Erreichte der Altbach diese Höhe, war auch das 120 m entfernte Dorfzentrum bedroht. Die Markierung ist heute nicht mehr sichtbar, für die beiden Fotos wurde sie von Alfred Lieser und Alwin Hontheim rekonstruiert.

Am 4.2.1946 schrieb der damals 11-jährige Alfred Lieser aus Kordel in sein Tagebuch: "Das Wasser stand am schwarzen Punkt beim Raach an der Bahnbrücke". [1]

Am 21. Juni 1888 gingen abends mehrere Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen nieder. Der Welschbilliger- und der Kimmlinger-Bach vermochten die ihnen zugeführten Wassermassen nicht zu fassen. Die Eisenbahnbrücke über den Welschbilliger-Bach, gestattete wegen ihres ungenügenden Durchlaß-Profils dem Wasser den Durchlaß nicht; letzteres wurde zurückgestaut, und es stand schließlich der untere Teil des Dorfes im Wasser. Von der hochgelegenen vorderen Schultreppe (Schulstraße) ragten nur mehr die drei oberen Stufen aus dem Wasser heraus; der mit einer Mauer umgebene Schulhof bildete einen großen Weiher.
Die Einwohner des Schulhauses vermochten nur mehr durch die Hintertür und die Scheune ins obere Dorf zu gelangen. An der Vorderfront des Schulhauses (östliche Ecke) bezeichnet der unter der Jahreszahl - 1888 - eingemeißelte waagerechte Strich die Höhe des damals erreichten Wasserstandes.

Von dem im Bau begriffenen Wohngebäude des Nikolaus Minden in der Bahnhofstraße (*) wurden Bauhölzer, welche auf der Baustelle lagerten, über die Eisenbahnschienen weg nach Ehrang fortgeschwemmt. Das Vieh wurde gerettet, indem man es durch die Fluten hindurch nach dem oberen Teil des Dorfes flüchtete; Schweine und Ziegen logierten auf der Etage. Ein Schwein ertrank. Die oben erwähnte Eisenbahnbrücke stürzte ein.

(*) Anwesen Minden = später Johann Roth, Metzgerei, heute Elmar Endres [2]

Die Eisenbahnbrücke diente schon beim Hochwasser von 1888 als Meßpunkt:

Am 21. Juni 1888, gingen schwerste Wolkenbrüche über Kordel nieder. Der Kimmlinger- und Welschbilligerbach konnten die Wassermassen nicht mehr fassen und überfluteten das ganze untere Dorf bis zur neuen vorderen Schule. Hinzu kam, dass der Wasserspiegel des Welschbilligerbaches an der Eisenbahnbrücke über ihrem Durchlassprofil stand und das Hochwasser ins Dorf bis zur neuen Schule zurück staute. Der untere Teil des Dorfes glich einem Weiher. Das Großvieh konnte rechtzeitig in Richtung Fronholzberg getrieben werden, die Schweine und Ziegen dagegen „logierten auf der Etage“ wie Lehrer Fett in der Chronik der Schule niederschrieb, womit er meinte, dass diese Tiere in den Häusern untergebracht wurden. „An der Vorderseite des Schulhauses (östliche Ecke)“, so Lehrer Fett, „bezeichnet der (heute noch sichtbare), unter der Jahreszahl 1888 eingemeißelte, waagerechte Strich die Höhe des Hochwassers.“ [2 und 3]

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Marken und Male / Hochwassermarken
Zeit:
Nach 1918
Epoche:
20. Jahrhundert

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.63438
lat: 49.83898
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Im Städtchen

Internet
http://heimatverein-kordel.de/

Datenquellen
[1] Alfred Lieser und Alwin Hontheim, Kordel, 2018.
[2] Schulchronik der ehemaligen Volkschule Kordel, aufbewahrt in der Grundschule Kordel.
[3] Josef Müller: Die Schule in Kordel. Hrsg. Verbandsgemeinde Trier-Land. 1. Auflage 2005. ISBN 3-00-015402-7

Bildquellen
Bild 1: © Peter Valerius, Kordel, 2018.
Bild 2: © Peter Valerius, Kordel, 2018.

Stand
Letzte Bearbeitung: 28.09.2023
Interne ID: 47902
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=47902
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