Ehemaliger Wadgasser Hof in der Dietrichsgasse

Mitte-Gartenfeld, Stadt Trier
Beschreibung
Im Jahre 1135 stiftete die Witwe des Friedrich von Saarbrücken nach einem Gelübde des Verstorbenen den Besitz Wadgassen der Kirche von Trier zur Gründung einen Augustinerchorherrenstiftes. Ziel war es, in dem neuen Kloster Seelenmessen zur Rettung der Seele des Verstorbenen Grafen aus dem Fegefeuer zu lesen. Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts ist das Kloster zugehörig zum Prämonstratenser Ordens belegt. 1792 wurde die Abtei nach der französischen Revolution aufgegeben. [1]

Die Stiftung wurde 1152 vom Papst Eugen III. bestätigt und von Papst Alexander 1179 wiederholt. Nach der Bulle des ersteren besaß das Kloster schon damals mehrere Güter, welche es teils durch Schenkungen erhalten, teils durch Kauf erworben hatte. Unter anderem ein Gut Kinderbeuern, einen Hof, Haus und Weingärten in der Stadt Trier.
Der Hof am Sitz des Kurfürsten hatte die Aufgabe, das Kloster dort zu vertreten. Außerdem diente der Hof innerhalb der Stadtmauern dazu, im Gefahrfall Kostbarkeiten zu sichern und er diente als Zufluchtsstätte der Mönche. Dazu hatte jedes bedeutende Kloster ein sogenanntes Refugium in der Stadt: Echternach den "Echternacher Hof" in der Dietrichgasse, Marien den "Mariener Hof" auf dem Rindertanze, Sankt Matthias seinen Hof zwischen Brot- und Hosenstraße, Tholey ihren Hof in der Nähe der Welschen Nonnen, Himmerod den "Bernhards Hof" gegenüber der Liebfrauenkirche und Wadgassen das Hofhaus zwischen Weberstraße und Neustraße. [3]

Am 2. April 1683 überließen Abt und Konvent von Wadgassen ihre sämtlichen, um die Stadt Trier gelegenen Güter dem Bürger Steut (oder Seitz) zu Trier. Dazu zählten u.a. Felder "in den Fuhren" in Euren, Felder "am Weg nach Heiligkreuz" und Weingärten. Der Hof Wadgassen blieb in ihrem Besitz. Für die veräußerten Güter erhielten sie den Hof Weistroff im Elsass. [3]

Unter dem Churfürsten Johann VIII (1676-1711) wurde das Priesterseminar Sankt Trinitatis zwischen Hindenburg-, Neu- und Weberstraße erbaut. Nach Vollendung des Hauptgebäudes erwarb er zur Abrundung und Erweiterung des Berings den Wadgassener Hof, der zwischen der Weberstraße und der Küche des neuen Seminares lag. Er bildet jetzt den linken Flügel des Seminars, damalige Hausnummer 192, heute Nr. 72 A.

Er wurde dem Churfürsten von der Abtei Wadgassen zu Anfang des Jahres 1777 überlassen. Johann VIII kaufte dafür der Universität Trier das "Haus zum Pütz" Nr. 835 (heutige Nr. 12) in der Dietrichsgasse ab und gab es der Abtei Wadgassen als ihr Hofhaus. 1797 wohnte Hofrath Theodor Karl Heinrich Eichorn darin.[4] Er war Amtmann, Hofrath, Syndicus und Synodale in Trier, geboren 26.5.1734 in Sankt Laurentius, gestorben 25.6.1807 in Sankt Gangolf. [7]

Nach der Säkularisation wurde es am 19.10.1798 an Pierre Michael Dagorean für 10.000 livre (heutige Kaufkraft je nach Silbergehalt etwa 50 T bis 150 T €) verkauft. [5]

Er war im französischen Sacré geboren und war Bürochef der französischen Präfektur. Er heiratete am 20.4.1802 in Sankt Antonius die Johanna Elisabeth, Tochter des Apothekers und Ratsherren Martin Feiler, Peiler. [6]

Bearbeitung: Jürgen Bier, Trier, 2021.

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Wohn- und Wirtschaftsgebäude / Bäuerliche Wohn- und Wirtschaftsgebäude
Zeit:
1780
Epoche:
Barock / Rokoko

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.638791
lat: 49.757288
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://de.wikipedia.org/wiki/Trier-Mitte/Gartenfeld

Datenquellen
[1] Michael Tritz, Geschichte der Abtei Wadgassen , 1901
[2] Georg Bärsch, Beschreibung des Regierungs-Bezirkes Trier, 1849
[3] Prof. Marx, Geschichte des Erzstiftes Trier bis zum Jahre 1816, 1864 Trier
[4] Adressbuch Trier 1797
[5] Adressbuch Trier 1837, Anmerkungen
[6] Kirchenbuch der Pfarrei St. Antonius
[7] Kirchenbuch der Pfarrei St. Gangolf
Bearbeitung: Jürgen Bier, Trier, 2021.


Stand
Letzte Bearbeitung: 05.01.2021
Interne ID: 50252
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