Synagoge Piesport-Niederemmel (2)

Niederemmel, Gemeinde Piesport Am Römerbrunnen 4
Beschreibung
In Wittlich steht eine jüdische Synagoge, die heute als Kultur- und Begegnungsstätte genutzt wird. Für Niederemmel und Müstert in der Gemeinde Piesport sind zwei weitaus bescheidenere Bethäuser belegt. Sie
existieren noch immer als Wohnhäuser.

Die jüdischen Familien in Niederemmel bildeten keine selbständige Glaubensgemeinschaft. Sie gehörten zur Synagogengemeinde Neumagen. Dort befand sich auch der Friedhof, auf dem heute noch Grabmonumente zu sehen sind. Der wohl älteste Beleg für die Existenz von Juden in Piesport stammt aus dem 17. Jahrhundert. In einer schriftlichen Notiz heißt es, daß 1657 ein Piesporter Jude in Neumagen beerdigt wurde. Die Kosten beliefen sich auf 2 Goldgulden. Die Größe der Judengemeinde dürfte 50 bis 60 Personen betragen haben. Für Niederemmel ist bekannt, daß die Juden für die Unterrichtung ihrer Kinder große finanzielle Opfer brachten. Sie engagierten Privatlehrer, die sich auch als Kantoren im Bethaus betätigten. Die Judengemeinde Niederemmel war im Jahre 1909 größer als die von Neumagen. Darum strebte sie an, eine selbständige Gemeinde zu werden, was ihr jedoch nicht gelang. Allerdings erzielten die Niederemmeler Juden einen Teilerfolg, denn die jüdische Gemeinde Neumagen wurde umbenannt in Synagogengemeinde Neumagen-Niederemmel.

Einen festlichen Höhepunkt brachte das Jahr 1930. Beim Römerbrunnen in Niederemmel hatten die Juden neben dem Gasthaus Karl Endries ein Gebäude gekauft, das sie für 8 000 Reichsmark zu einem Bethaus umwandelten. Als die Renovierungsarbeiten beendet waren, wurden die heiligen Gefäße von der Synagoge in Müstert in feierlicher Prozession in das Bethaus in Niederemmel überführt. Die Feuerwehr, ein Männergesangverein und die Bevölkerung nahmen am Fest großen Anteil, was ein Foto aus jener Zeit belegt.

Bei der Machtübernahme der Nazis im Jahre 1933 wohnten noch 27 jüdische Familien in Niederemmel. Sie wanderten jedoch nach und nach aus, weil der Druck der damaligen politischen Verhältnisse zunahm. In der Bernkasteler Zeitung des Jahres 1936 erschien der Aufruf: Wer beim
Juden kauft, ist ein Volksverräter. Daran anschließend wurden etliche Orte an der Mosel mit jüdischen Läden aufgeführt, so auch Niederemmel mit den jüdischen Geschäften: Viehhandlung und Kolonialwaren Max Mendel, Kolonialwaren Leopold Laib, Kurz-, Weiß- und Wollwaren Max Laib, Kolonialwaren Isidor Mendel, Metzgerei Abraham Mendel, Kolonialwaren Rudolf Mendel, Kurz-, Weiß- und Wollwaren Gebrüder Levi, Kurz-, Weiß- und Wollwaren Rudolf Levi.

Die Nazis verfolgten propagandistisch die Aus-grenzung und Ausrottung der Juden. So mußte der Judenstern an der Kleidung angebracht sein, dann folgte eine Kennzeichnung in der Geburtsurkunde. Als es in der Pogromnacht 1938 zu Tätlichkeiten kam, verließen auch die letzten Judenfamilien den Ort.

Man kann davon ausgehen, daß alle Niederemmeler Juden das Land verlassen hatten, als der Krieg begann. Ihre Häuser wurden Eigentum des Deutschen Reiches. Dieses verkaufte sie an Interessenten weiter.Das jüdische Gemeindeleben in Piesport/Niederemmel ist heute nur mehr Erinnerung, sollte aber nie in Vergessenheit geraten.

Anmerkung:
Das zweite Bild zeigt die Übergabe der sakralen Gefäße 1930 vor dem jüdischen Bethaus am Römerbrunnen in Niederemmel.

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Synagogen
Zeit:
1930
Epoche:
20. Jahrhundert

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.923659
lat: 49.876942
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.piesport.de/

Datenquellen
Kreisjahrbuch Bernkastel/Wittlich 1997

Bildquellen
Bild 1: Alte Ansichtskarte
Bild 2: Kreisjahrbuch Bernkastel/Wittlich 1997

Stand
Letzte Bearbeitung: 23.06.2006
Interne ID: 5818
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=5818
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