Benrather Hof - Gerichtssitz

Benratherhof, Gemeinde Paschel Benrather Straße
Beschreibung
Vierkantige, an der Nordwestecke aufgebrochene Binnenhofanlage, ehemaliges Hofgut der Abtei Sankt Matthias in Trier. In einer Talmulde errichteter, an seiner Ost- und Südseite von Weihern umgebener Hof. Er bestand wahrscheinlich schon vor 1036, wurde aber in den Auseinandersetzungen zwischen den Erzbischöfen Megingaud und Poppo zerstört.

Das im Testament des Propstes Adalbero 1036 und in seiner Erneuerung von 1037 als Hof Mermeroth genannte Anwesen wuchs in verschiedenen Bauphasen zu seiner, im Jahr 1748 in einer genauen Besitzkarte verzeichneten geschlossenen Form. Diese Baugestalt geht auf eine tiefgreifende Erneuerung und Erweiterung nach einem Brand auf 1709 zurück. Insbesondere wurde der nördliche Wohnhausriegel unter Beibehaltung älterer Bausubstanz erneuert, der östliche Wirtschaftsflügel erweitert. Darauf bezieht sich eine an der Hofseite eingemauerte Inschriftplatte, deren Chronogramme und zusätzlichen Datierungen auf die Schenkung, ihre Erneuerung und auf den Neubau Bezug nehmen: ADELBERO LUXEL-BURGICUS EUCHARIO ET SOCIIS PIELEGAT 1036 CAETERISQUE CLAUSTRIS ATQUE ECCLESIIS SUA PROPRIA DISTR1BUENS RE-NOVAT 1037 POSTQUE GUILIELMUS ABBAS FAVORE SUPERNO LAPSA EXUSTAQUE BENRODII RESTAURAT ET ÄUGET 1709. 1385 wird von der Weihe einer Hofkapelle im Castrum Bermrot berichtet. Das nach der Säkularisation als staatliche Schäferei verwendete Gut wurde vermutlich 1805 mit knapp 150 Hektar Land, Wald und Weihern verkauft und dreigeteilt. Hiervon rühren die Abmauerungen im Innern des Wohngebäudes. Der westliche Hausteil, in den die Hoffahrt integriert war, wurde während des Zweiten Weltkrieges zerstört. Der südliche Hofflügel mit Hoffahrt ist verändert, der westliche Gebäudetorso erneuert, die barocke Ökonomie im Ostflügel erhielt eine Erweiterung.

Das Wohngebäude präsentiert sich im wesentlichen noch in der Gestalt von 1709 und umfängt mittelalterliche Bauteile. Trotz verschiedener Einbrüche und Erneuerungen nach der Teilung ist der Aufriß aus kleinen Einzelfenstern im Erdgeschoss und pfostengeteilten Steinfenstern im Obergeschoß erkennbar geblieben. An der als ursprüngliche Fassade anzusehenden Hofseite ein feingliedriges Renaissanceportal, dessen Wappenkartusche ausgeschlagen ist; einige Rundbogenfenster lassen entgegen der Datierung 1737 auf eine Änderung im 19. Jahrhundert schließen. An der abgewalmten östlichen Giebelseite der ehemalige Aborterker vorhanden. Über die integrierten mittelalterlichen Bauteile geben die Keller Hinweise. Der einen Großteil des Wohngebäudes unterfangende, tonnengewölbte Keller und der größtenteils nicht unterkellerte nordöstliche Hausteil - wobei einer unter dem heutigen Wirtschaftsteil liegt - gehören vermutlich mit Mauerwerksteilen zum ältesten Kern. Mittelalterlich ist ein eigens unterkellerter, fast quadratischer Teil, der sich durch sein Mauerwerk, das höhere Raumniveau und die kreuzartige Wölbung des Erdgeschosses ehemals als turmartig zu erkennen gibt; hier auch der Rest eines Kamins.

Nördlich des Hofes ein zum Teil eingestürzter Keller und am westlichen Hang der Schieferbruch erkennbar, dem das Baumaterial direkt entnommen wurde. Eine im 18. Jahrhundert als alte und neue Schäferei dienende, gewachsene Trierer Zeile am nach Norden führenden Weg ist stark verändert und nicht relevant.

Der Benrather Hof ist als Fronhof bedeutungsvoll, seine noch ablesbare landwirtschaftliche Musterorganisation mit seinem Weihersystem hat alle geschichtlichen Schicksale überstanden. Insbesondere war der Fronhof als Grundherrschafts- und Hochgerichtssitz mit Gefängnis für den ringsum massierten Abteibesitz von zentraler Bedeutung. [1]

Einordnung
Kategorie:
Geschichte / Rechtsdenkmale / Gerichtsgebäude
Zeit:
1036
Epoche:
Frühmittelalter / Romanik

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.670065
lat: 49.639825
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ober dem Hof

Internet
https://gemeinde-paschel.de/

Datenquellen
[1] Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Kreis Trier-Saarburg, 12.1 Wernersche Verlagsgesellschaft 1994


Stand
Letzte Bearbeitung: 01.01.2003
Interne ID: 6207
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=6207
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