Sankt Martin (5)

Oberdorf, Gemeinde Messerich Kirchstraße
Beschreibung
Das Patrozinium verweist auf ein wesentlich höheres Alter von Ort und Kirche als deren erstmalige urkundliche Nennung im Jahre 1140. Eine ältere Urkunde von 1066 ist unecht.

Die heutige Kirche steht wie ihre Vorgänger im Oberdorf. Sie wird noch vom alten Friedhof umgeben. Das Kirchenschiff und der von ihm abgerückte Ostturm wurden 1849 nach Plänen des Trierer Land- und Stadtbauinspektors Johann Georg Wolff errichtet.

Der älteste und kunsthistorisch bedeutendste Bauteil der Kirche aber ist der von einem romanischen Vorgängerbau erhalten gebliebene dreischiffige Chor. Er steckt im Verbindungsbau zwischen Schiff und Turm. Seitdem Neubau der Kirche als Sakristei genutzt, wurde er 1970 zum Kirchenraum hin geöffnet. An ihn schloß sich ursprünglich eine ebenfalls dreischiffige romanische Kirche des 12. Jahrhunderts an. Das mittlere Chorjoch ist kreuzgratgewölbt, Quertonnen überspannen die beiden seitlichen Joche. Die Gewölbemalerei ist ins 17. Jahrhundert zu datieren. Wuchtige, halbrunde Pfeiler mit Basen und Kapitellen tragen den spitzbogigen Triumphbogen, der von einem halbrunden Blendbogen gerahmt wird. Beim Neubau der Kirche wurden zwei Rundpfeiler und vier Kapitelle des romanischen Schiffs als Emporenstützen wiederverwendet. Die Einzelformen der romanischen Bauteile lassen erkennen, daß diese alte Messericher Kirche in die Trierisch-Lothringische-Bautengruppe gehört hat, zu der etwa der Chor der Kathedrale von Verdun, der Ostchor des Domes und die Apsis der Porta Nigra in Trier zählen.

Das Kirchenschiff wird auf den Längsseiten von je vier großen Rundbogenfenstern gegliedert, die Eingangsseite zeigt ein rundbogiges Portal mit eingestellten neuromanischen Säulen und einem reich geschnitzten klassizistischen Türblatt. In der Giebelspitze ist über einem Rundfenster eine Schrifttafel, die das Erbauungsjahr 1849 nennt, angebracht.

Der vierjochige Saalbau wird von einer Flachtonne mit Quergurten und Stichkappen überwölbt. Diese werden von abgetreppten Pilastern getragen. Ein barocker Nischenaltar von 1714 mit einer Holzfigur derKatharina aus dein späten 18. Jahrhundert und ein im Aufbau gleicher, stilistisch jedoch älterer Altar mit einer Martinsgruppe des 17. Jahrhunderts als Abschluß stehen an den schrägen Seitenwänden des Chores von 1849. Ihre Nischen tragen heute Heiligenfiguren des späten 19. Jahrhunderts aus Terrakotta, die Antependien sind Arbeiten des späten 18. Jahrhunderts. Die Ausstattung wird komplettiert durch mehrere frühbarocke und eine spätgotische Heiligenfigur. Aus der Erbauungszeit stammen Gestühl, die hölzerne Brüstung der Orgelempore und der rechteckige (!) Taufstein.

Einordnung
Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Wolff, Johann Georg (Stadtbaumeister), Trier [1789-1861].
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Katholische Kirchen
Zeit:
1849
Epoche:
Klassizismus

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.481594
lat: 49.938944
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ober-Messerich

Internet
http://www.bitburgerland.de/index.php?id=339

Datenquellen
Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Rheinland-Pfalz, Saarland, 1984. Deutscher Kunstverlag und http://www.denkmalschutz.de


Stand
Letzte Bearbeitung: 12.01.2006
Interne ID: 7467
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=7467
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