Alte Kirche Johann Baptist

Hinzerath, Gemeinde Morbach Hochscheider Gasse 1
Beschreibung
Alte katholische Kirche Sankt Johann Baptist; kleiner Saalbau, 1669. [1]

Das Wahrzeichen des Dorfes Hinzerath ist die in der Ortsmitte gelegene alte Kirche. Nach einer gründlichen Außenrenovierung vor acht Jahren stellt sie sich wieder in ihrer schmucken Einfachheit dar.

Seit im Jahre 1958 die neue Kirche fertig gestellt war, fanden in der alten Kirche keine Gottesdienste mehr statt und sie wurde dem allmählichen Verfall überlassen. Durch das undichte Dach eindringender Regen und aufsteigende Feuchtigkeit hätten sehr bald zu irreparablen Schäden an der Bausubstanz geführt. Nach mehreren Anläufen konnte 1984 die ehemalige Unterschutzstellung des Gotteshauses erreicht und damit der beabsichtigte Abriss verhindert werden. Mit Zuschüssen des Bistums, des Landesamtes des denkmalgeschützten Kirchleins durch eine gründliche Außenrenovierung gesichert werden. Seitdem erfreut sie in ihrer ortstypischen Einfachheit wieder Einheimische und Besucher unseres Dorfes.

Der Visitationsbericht des Trierer Erzbischofs, aus dem Jahres 1669, verzeichnet eine neuerbaute Kirche in Hinzerath, die dem hl. Johannes dem Täufer geweiht ist. Sieben Familien haben sie mit ihren äußerst bescheidenen Mitteln errichtet. Das Bauvorhaben scheint die finanziellen Möglichkeiten der Bewohner bei weitem überstiegen zu haben, denn noch der Visitationsbericht des Jahres 1684 verzeichnet, daß wegen fehlender Gelder die Fortsetzung der Arbeit stocke und weder Altäre noch Paramente vorhanden seien. Gleichwohl hat die Kirche in Hinzerath schon im Jahre nach ihrer Errichtung zwei Glocken besessen, die am 4. Mai 1670 von Faustinus Brandt, dem "Guardian" des Bernkasteler Kapuzinerklosters "zu Ehren der Hl. Dreifaltigkeit" bzw. "zu Ehren der Gottesmutter" getauft wurden. Die erstgenannte (es war die größere von beiden) wurde im 1. Weltkrieg zur Herstellung von Waffen und Munition eingeschmolzen, die andere wurde 1926 umgegossen und befindet sich noch im Glockenturm. Dieser ist als vierseitig verschieferter Dachreiter mit achtseitiger gerader Spitze ausgebildet. Die Kirche selbst ist ein Bruchsteinbau, der in Saalform mit dreiseitigem Chorschluß errichtet wurde. Der 16,75 m x 7,20 m große Raum ist mit einer Holzdecke überwölbt. Je drei Flachbogenfenster finden sich an den Längsseiten, je eines an den Chorschrägen. Die Giebelseite im Westen ist durch den symmetrisch angeordneten Eingang sowie ein profiliertes Gesims und ein darüberliegendes halbrundes "Lunettenfenster" aufgegliedert.

Im Sockelbereich des schlichten Gotteshauses kommen ältere Ornamente zum Vorschein, die später mehrmals übermalt wurden.

Auf der rechten Seite des Chores findet sich eine 75 cm breite und 125 cm hohe Sakramentsnische mit einer spitzbogigen Sandsteinumrahmung und einem inneren Kleeblattbogen, dessen Nasen in einem Kopf enden. Diese Sakramentsnische aus dem späten 15. Jahrhundert ist wohl als einziges verwertbares Überbleibsel aus der zerstörten Vorgängerkirche, die dem hl. Petrus geweiht war, übernommen worden.

Als besonders wertvoll wird die Empore an der Westseite der Kirche angesehen. Sie stammt aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts und ist wohl gleich bei der Neuerrichtung der Kirche eingebaut worden.

Auf zwei nach oben stark verjüngten Holzpfosten mit bogenartig ausgeschnittenen Knaggen und Sattelhölzern ruht die schwere, gediegene Eichenkonstruktion.

Die barocke Emporenbrüstung verwendet spätgotische Ornamente. Sie besteht aus Fischblasenmaßwerk. Ihre große Ähnlichkeit mit der Empore in Wenigerath legt die Vermutung nahe, daß beide Kunstwerke aus der Werkstatt desselben Meisters stammen.

Auch der Altar und die Kanzel stammen aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts und scheinen bald nach der Visitation von 1684 eingebaut worden zu sein. Der Aufbau des Altars verbindet barocke und klassizistische Elemente. Die Holzkanzel ruht auf einer gedrehten Säule und ist mit Weintrauben verziert.

Erst wenn eine gründliche Innenrenovierung erfolgt ist, kann die denkmalgeschützte alte Kirche den Besuchern wieder zugänglich gemacht werden. [2]

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Kapellen
Zeit:
1669
Epoche:
Renaissance

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 7.178909
lat: 49.848085
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.morbach.de/

Datenquellen
[1] Denkmalliste der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Rheinland-Pfalz; 2010.
[2] Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH Löhrstraße 103 - 105 56068 Koblenz http://www.rlp-info.de/


Stand
Letzte Bearbeitung: 27.09.2012
Interne ID: 8003
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=8003
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