Hagelskaule

Gerolstein, Stadt Gerolstein
Beschreibung
H. Rauff rechnet die Hagelskaule im mitteldevonischen Dolomitmassiv der Munterley bei Gerolstein zum Ausbruchsgebiet der Papenkaule.

Beide liegen auf einer Querverwerfung durch die Gerolsteiner Kalkmulde. Anschaulich zeigt dies die Aufnahme aus 3000 m Höhe, auf der auch die morphologisch kaum erkennbare Hagelskaule sehr deutlich in Erscheinung tritt.

Trotz der räumlichen Nähe unterscheiden sich die Auswurfsprodukte der beiden Krater wesentlich. Während die Schlacken der Papenkaule eine fast schwarze Farbe zeigen und von denen des Vesuvs makroskopisch nicht zu unterscheiden sind, weisen die Auswurfsprodukte der Hagelskaule ausnahmslos eine rostbraune Farbe auf. Ganz besonders unterscheiden sie sich ferner auch im Gewicht, die Papenkaulenschlacken sind auffallend leicht, die der Hagelskaule mehr als das Doppelte schwerer. Der Olivingehalt der Papenkaule ist höher, die Einschlüsse der Hagelskaule zeigen mehr Quarz. Die fast kreisrunden Bomben des Ostwalls der Papenkaule fehlen bei der Hagelskaule, deren Schlacken starke Torrosion zeigen. Die Papenkaule ist ein reiner Tephran. Die Schlakken- und Aschenbänke der Hagelskaule enthalten Teile fester, geflossener Lava, so daß sie zu den Lavatephranen zu rechnen ist. Was beide Krater jedoch am auffälligsten unterscheidet, ist der Lavastrom der Hagelskaule, bekannt unter dem Namen Sarresdorfer Lavastrom. Sarresdorf ist das älteste Siedlungsgebiet im Kylltale des Gerolsteiner Raumes, auf dem nördlichen Kyllufer gelegen und heute mit Gerolstein selbst zu einem Ort verwachsen. Durch diesen ihren Lavastrom unterscheidet sich die Hagelskaule auch von den übrigen Maartypen der Vulkaneifel, denen sie altersmäßig zuzurechnen ist und bei denen es nicht mehr zum Empordringen des Magmas und zum Lavastrom kam. Deutlich zeigt die Ausbruchsstelle des Lavastromes die Luftaufnahme in Form der hufeisenförmigen Öffnung des Schlackenwalls.

In der Landschaft tritt der Hagelskaulkrater nicht so modellartig klar und übersichtlich in Erscheinung wie die Papenkaule, so daß er kaum bekannt ist, bzw. erkannt werden kann. Die Explosion erfolgte aus der Nordflanke des Munterleyzuges, so daß der Berghang den südöstlichen Kraterrand darstellt. Die Abzweigung des Wanderpfades vom nahen Buchenloch nach Süden erreicht bereits wenige Schritte nach seiner Abzweigung den ehemaligen Kraterrand. Zusammengeschweißte, sehr harte Schlacken, von Wald bestanden, bilden hier den Berghang und bedecken den Dolomit.

Der Kraterboden selbst ist von Wiesen bedeckt und hat nur einen Durchmesser von ca. 200 m. Nach Norden weist er die Ausbruchsstelle des Lavastromes als hufeisenförmige Öffnung auf, die sehr charakteristisch, von Schlackenwällen umgeben ist, die zur Kratermitte geneigt sind. Der Neigung des Geländes folgend, das aus Unteren mitteldevonischen Mergeln besteht, erreicht der Strom den Talgrund, schwenkt von der anfänglichen Nordrichtung nach Westen ab und erreicht den Taleinschnitt zwischen Auberg und Munterley (die Karte zeigt ihn aufgedeckt). Die Wiesenbedeckung entzieht ihn der Sicht. Lediglich lose Lavablöcke am Wege nach Roth und Bewingen sowie die Ufer des kleinen Baches bezeichnen seinen Verlauf. Dieser Bach sowie der Kalkesborn, heute in einem Laufbrunnen gefaßt, lieferten ihm das Bett zwischen Munterley und Auberg hindurch zum Kylltal. Das Gestein ist Limburgit. Die Breite des Stromes zwischen den erwähnten Felsen beträgt an der schmälsten Stelle nur 75 m. Irn Kylltal drang der Strom bis zum gegenüberliegenden Uferhang (südlich) vor und staute sich pilzförmig talauf- und abwärts zu einer Breite von ca. 825 m. Durch die Gleisanlagen der Bundesbahn ist er angeschnitten.

Die Gesamtlänge des Stromes von der hufeisenförmigen Wallöffnung beträgt 1,7 km. Die Ostkante erhebt sich neben der Landstraße nach Lissingen als 2,80 m hohe Steilwand, deren Oberfläche Gärten trägt. Die Humusdecke weist jedoch kaum mehr als 0,50 cm auf. Bis zur höchsten Stelle, den Gerolsteiner Werkstätten, der ehemals alten Mühle gegenüber, steigt der Strom auf 8 m an und fällt bis zum Westende, in dem das Gebäude der Edeka steht, auf 1,60 m ab.

An der Umfassungsmauer des Friedhofs tritt die Lava in großen, durch den Straßenbau freigelegten Blöcken zutage.

Die Sohle des Kyllbettes lag beim Ausbruch der Hagelskaule um 3,50 m höher als heute, der Fluß wurde zu einem flachen See gestaut, dessen Uferverlauf beim Bahnbau allenthalben am Südhang der Munterley festgestellt wurde. Die anfängliche Überflutung der Lavabarre ist unter der Humusdecke in einer ca. 15 cm mächtigen Sandschicht erhalten. Dies zeigt sich beim Ausheben der Grabstätten auf dem Friedhof. Die Oberflächenbedeckung beträgt hier 1,20-1,40 m.

Die Kyll hat die Lavadecke nicht zersägt, sondern den Weg des geringeren Widerstandes gewählt und ihr neues Bett in den südlichen Talhang geschnitten. Dieser besteht im östlichen Teil aus mitteldevonischem Dolomit. Der Verlauf des Flußbettes zeigt, genau in der Richtung der Ostkante des Lavastromes, das Ausweichen in einer Schleife nach Süden. Im Dolomit ist das Tal eng, Kyllbett, Stirn des Lavastromes und Uferböschung verlaufen parallel. Unterhalb der erwähnten Gerolsteiner Werkstätten, ehemals Mühle, folgen auf den Dolomit, durch eine der Querverwerfungen durch die Mulde bedingt, Crinoidenmergel. In diesen weniger widerstandsfähigen Schichten schwingt der Flußlauf noch weiter nach Süden. Am Westende des Lavastromes biegt die Kyll wieder in einem Bogen nach Nordwesten ab.

Beweisen schon diese Verhältnisse das jugendliche Alter des Lavastromes, so kann dieses durch die Parallelisierung mit den zeitlich wohl gleichen Maaren noch weiter präzisiert werden. Die pollenanalytischen Untersuchungen Strakas (2) ergeben für diese letzte Phase der Eruptionstätigkeit ein Alter von 7000-9000 vor Chr.

Siedlungsgeschichtlich spielte der Sarresdorfer Lavastrom eine beachtliche Rolle, weil er eine vor dem Hochwasser der Kyll geschützte Tallage bot. Fehlen zwar neolithische Funde, so weist er aber die größte römische Ansiedlung des Gerolsteiner Raumes, die VILLA SARABODIS auf, in deren unmittelbarer Umgebung fränkische Siedlungen entstanden, aus denen Sarresdorf entstand. Eine nicht zu unterschätzende Rolle dürfte der flache Stausee der Kyll in der Jungsteinzeit gespielt haben, da er den Bewohnern der kleineren Höhlen in der Südseite der Munterley willkommene Fischerei- und Jagdmöglichkeiten bot. Fischreste wurden bei den Ausgrabungen gefunden.

Zeigt die Papenkaule modellartig übersichtlich einen Krater des Maartypus, der wegen der Wasserdurchlässigkeit des Dolomits trocken ist, so liefert die Hagelskaule das Schulbeispiel für eine der letzten kleinen Eruptionen, die einen Lavastrom entsandten.

Einordnung
Kategorie:
Naturobjekte / Maare / Trockenmaare
Zeit:
Undatiert
Epoche:
Undatiert

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.656131
lat: 50.233570
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: In der Hagelskaul

Internet
http://www.gerolstein.de/

Datenquellen
Dr. B. Dohm: Die Hagelskaule bei Gerolstein und der Sarresdorfer Lavastrom. In Heimatjahrbuch Daun, 1974. http://www.jahrbuch-vulkaneifel.de/VT/hjb1974/hjb1974.14.htm

Bildquellen
Bild 1: © Uwe Widera, 54550 Daun, 2011.
Bild 2: © Uwe Widera, 54550 Daun, 2011.
Bild 3: © Uwe Widera, 54550 Daun, 2011.
Bild 4: © Uwe Widera, 54550 Daun, 2011.
Bild 5: © Uwe Widera, 54550 Daun, 2011.
Bild 6: © Uwe Widera, 54550 Daun, 2011.

Stand
Letzte Bearbeitung: 13.08.2011
Interne ID: 23117
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=23117
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