Speierling

Naturdenkmal
Euren, Stadt Trier Ruh Kehr Weg

Beschreibung
Naturdenkmal Nr. 155, Speierling, Sorbus domestica, Eurener Wald [1]

Sorbus domestica.
Die sauren Früchte des Speierlings hat man früher dem Apfelwein - in Trier Viez genannt - mit drei bis fünf Prozentanteilen beigemischt, um diesen haltbarer und aromatischer zu machen. [2]

Der Speierling (Sorbus domestica) – regional auch Sperberbaum, Sporapfel, Spierapfel, Spreigel genannt – ist ein Wildobstbaum aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Der Speierling ist in Deutschland sehr selten geworden, es gibt nur noch wenige Exemplare in der Natur. Aus diesem Grund wurde der Speierling 1993 zum Baum des Jahres gewählt.

In Hessen gibt es etwa 400–500 Speierlingsbäume, die 80 Jahre oder älter sind. Zum Beispiel stehen in Kronberg im Taunus 47 alte und über 100 junge Speierlinge.

Morphologie und Verbreitung
Der Speierling ist ein 10–20 m hoher Baum. Er kann im Wald maximale Höhen von über 30 m und als Einzelbaum Stammdurchmesser über 100 cm erreichen. Er erreicht ein Alter bis zu 600 Jahren, in Mitteleuropa aber meist deutlich weniger. Der Speierling hat eine kleinschuppige, graubraune Borke und besitzt bis zu 25 cm lange Fiederblätter. Ein Unkundiger kann ihn hauptsächlich durch seine deutlich größeren Früchte von der Vogelbeere unterscheiden.

Aus den Blüten im Mai entwickeln sich im September/Oktober 2–4 cm große birnen- bis apfelförmige Früchte. Sie werden von Vögeln und Säugetieren verbreitet. Der Speierling ist eine submediterrane Art und kommt in Deutschland im sommerwarmen und trockenen Eichen-Hainbuchen-Wald und Flaumeichen-Wald vor. Vor allem im Südwesten, im Rhein-, Neckar-, Mosel- und Nahetal, im Taunus und in Unterfranken. Hauptverbreitungsgebiet ist von Ostspanien über Frankreich, Italien, Balkan bis zur Krim und Kleinasien und Nordwestafrika. Speierlinge vermehren sich in der Natur nur selten generativ durch Samen. Die vegetative Vermehrung durch Wurzelbrut überwiegt.

Geschichte
Der Speierling wurde bereits von Theophrast (4. Jahrhundert vor Chr.), Plinius (1. Jahrhundert) und Karl dem Großen als Obstgehölz anerkannt. Die Römer verbreiteten den Speierling nördlich der Alpen. Der Gattungsname Sorbus leitet sich von dem lateinischen Wort sorba für Speierling (Sorbus domestica L.) und Elsbeere (Sorbus torminalis (L.) Crantz) ab, denn Plinius hatte die Elsbeere zu einer Art von Speierling gezählt. Der Speierling wurde seit der Antike als Nahrungsmittel geschätzt. Karl der Große ließ »sorbarios« (Capitulare de villis vel curtis imperii) anbauen, damit ist wohl der Speierling gemeint.

Nutzung
Im Mittelalter war der Speierling ein wichtiges Kulturgehölz. Die Früchte sind aber erst im überreifen Zustand essbar. Der gerbstoffreiche Saft der unreifen Früchte wird manchmal in geringen Mengen (1 bis 3 %) dem Apfelwein zugefügt. Dieser haltbare, herbe Apfelwein wird Speierling genannt und ist eine Spezialität im Frankfurter Raum. Beim Speierling weist allerdings manchmal der Name nicht auf die Frucht, sondern auf einen besonders herben Apfelwein hin – echter Speierling ist recht selten und daher teuer. Außerdem kann aus der Frucht des Speierlings auch ein Obstbrand hergestellt werden.

In der Volksmedizin spielten die vollreifen Früchte wegen ihres Gerbstoffgehalts eine Rolle als Hausmedizin gegen Durchfall, Ruhr und Erbrechen (davon hat der Baum seinen Namen). Heute werden sie zu Mus, Marmeladen und zu Speierlingsbrand verarbeitet. Die Fruchterträge sind beachtlich: So bringt der größte existierende Speierling in Österreich, der einen Stammdurchmesser von 1 ½ Meter aufweist, im Jahr rund 500 Kilogramm Früchte.

Der Speierling besitzt ein dunkelbraunes, schweres und hartes Holz. Es wird im Werkzeug- und Musikinstrumentenbau sowie als wertvolles Möbel- und Furnierholz, zum Schnitzen und Drechseln verwendet.

Seit mehr als 100 Jahren ist ein starker Rückgang der Speierlingbestände in Europa bemerkbar. Der Speierling ist eine charakteristische Baumart jener Laubwaldgesellschaften, die vielfach nur noch bis vor 100 Jahren im so genannten Mittelwaldbetrieb bewirtschaftet wurden. Der Speierling wurde in den letzten 100 Jahren Opfer der Forcierung der Hochwälder, er unterlag dem Konkurrenzdruck der durchwachsenden Nachbarbäume. Von den Schädlingen stellt der Schorfpilz die größte Gefahr für den Speierling dar. Der Schorf befällt vor allem die Früchte, Jungpflanzen und Triebe. Zusätzlich setzt der Rindenkrebs dem Speierling zu. Oft wird er als anfällig auf Feuerbrand beschrieben, bisher ist aber im gesamten Verbreitungsgebiet kein einziger Befall bekannt. [3]

Einordnung
Kategorie:
Naturobjekte / Bäume / Speierlinge
Zeit:
Undatiert
Epoche:
Undatiert

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.57929
lat: 49.72911
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Eurener Wald Katharinenbüsch

Internet
http://www.euren.de/

Datenquellen
[1] LANIS - Landschaftsinformationssysten der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz, 2015. http://www.naturschutz.rlp.de/?q=naturdenkmal
[2] Karl-Josef Prüm: 10 Wanderungen auf den Traumpfaden der Treverer. Verlag Sanfter Tourismus - Trier, 2007 www.triastour.de
[3] Seite "Speierling". In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 12. Juni 2012, 19:29 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Speierling&oldid=104317152 (Abgerufen: 17. Juni 2012, 08:54 UTC)

Bildquellen
Bild 1: Peter Valerius, Kordel, 2005.
Bild 2: User:BotBln {{GFDL}} bei: http://commons.wikimedia.org/wiki/User:BotBln

Stand
Letzte Bearbeitung: 19.05.2015
Interne ID: 5225
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=5225
ObjektURL als Mail versenden